Ziele des Projekts

Die berufliche Bildung von Schaustellerkindern und -jugendlichen ist durch die Reisetätigkeit der Eltern ständigen Wechseln unterworfen. Schon früh werden sie in den Familienbetrieb integriert und leisten dort ihren Beitrag zum Betriebserfolg. Ihre berufliche Ausbildung ist traditionell geprägt vom Prinzip “learning by doing” in der Familie. Professionelles Know-how in technischen und kaufmännischen Fächern entscheidet heute jedoch auch im Schaustellergewerbe darüber, ob ein Betrieb lebensfähig ist oder nicht. Bisher mangelt es aber in ganz Europa an geeigneten Unterrichtsangeboten im berufsbildenden Bereich für Jugendliche aus Schaustellerfamilien.

Das Projekt nutzt im Wesentlichen die Ergebnisse und Erkenntnisse zweier Vorgängerprojekte. Im Projekt “Bekosch – Entwicklung beruflicher Kompetenzen für beruflich Reisende durch blockweisen Unterricht” (EU-Programm Leonardo da Vinci/1999-2000) wurde der Grundstein gelegt, um Jugendlichen aus Schaustellerfamilien den Besuch der Berufsschule in den reisefreien Wintermonaten zu ermöglichen. Hierauf aufbauend haben das Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung Herne und die Bezirksregierung Detmold in den Jahren 2006-2008 das EU-Minerva-Projekt “eLvet- eLearning for vocational education of travellers” beantragt und koordiniert, das die bereits nachhaltig gefestigten Lehrgänge in den Wintermonaten durch eine zielgruppengerechte eLearning-Komponente während der Reisezeit in den Sommermonaten ergänzt.

Dieses in sich geschlossene Konzept beruflicher Qualifikation, das in Deutschland bereits als Ausbildungsangebot von den Schausteller-Jugendlichen akzeptiert und nachgefragt ist, soll nun durch die beteiligten Bildungseinrichtungen in den Partnerländern eingeführt werden.

ETT EDU macht die vielfältigen Fähigkeiten, die Schausteller innerhalb des Familienverbundes erwerben, transparent und ergänzt diese zudem durch neue tätigkeitsrelevante Qualifikationen in einem Konzept des lebenslangen Lernens. Innerhalb des Projekts soll dieses nachhaltige Lernsystem zur beruflichen Bildung und Weiterbildung transferiert und weiter entwickelt werden.

Zielgruppe des Projekts sind Jugendliche aus Schausteller- und Zirkusfamilien aus den beteiligten Ländern Deutschland, Niederlande, Frankreich und dem Vereinigten Königreich.

Koordiniert wird ETT EDU durch das Berufskolleg Herne. Die Zusammensetzung des Partnerkreises, in dem die ausführenden Bildungseinrichtungen mit politisch verantwortlichen Institutionen, mit wissenschaftlichen Akteuren und insbesondere mit den in Bezug auf die Zielgruppe der Schausteller überaus relevanten Verbänden zusammengebracht werden konnten, gewährleistet die Projekt-Nachhaltigkeit.

Warum ein europäisches Ausbildungsprojekt für Schausteller?

Berufliche Ausbildung für Schausteller in Europa

Schon heute machen die Reiserouten der europäischen Schaustellerfamilien nicht mehr an den jeweiligen Landesgrenzen halt. Somit wird sich zukünftig auch der Arbeitsraum jedes Einzelnen nicht mehr alleine auf sein Heimatland beschränken. Daher ist das Ziel dieses Projektes nicht nur die Förderung der beruflichen Entwicklung von jugendlichen Schaustellern, sondern auch deren europäischer beruflicher Mobilität.

Da die Lernmodule im Rahmen von ETT EDU an den Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) angepasst werden, entsprechen sie europäischen Standards und sind sie daher europaweit anerkannt. Auf der Grundlage des EQR europaweit erworbene Lernergebnisse können zukünftig bescheinigt werden, so dass sich dadurch die Berufschancen der Zielgruppe verbessern.

Die bildungspolitische Mangelsituation für reisende Jugendliche ist in allen beteiligten Partnerländern ähnlich. Daher ist es sinnvoll, auf europäischer Ebene zusammenzuarbeiten, die geografische Vielfalt und unterschiedliche Herangehensweise an bestimmte Probleme zu nutzen, die in den einzelnen Ländern bereits unternommenen Anstrengungen zu bündeln, zu harmonisieren und die besten Beispiele weiterzuverfolgen und somit zu einem besseren gesamteuropäischen Ergebnis zu gelangen, als es separate Anstrengungen einzelner Mitgliedsländer und deren Initiativen und Verbände schaffen würden.

Download: Projektflyer