Halbzeitergebnisse

ETT-EDU- Halbzeitergebnisse (2012)

1. Den Ausbildungsberuf Schausteller im dualen Berufsbildungssystem wird es voraussichtlich in absehbarer Zeit weder in Deutschland noch in einem der Partnerländer geben. In Deutschland nicht, weil gegenwärtig weder die Bildungsverantwortlichen noch die betroffenen Schausteller von der Durchführbarkeit der Schaffung eines „klassischen Ausbildungsberufs „Schausteller“ überzeugt sind.

2. Praktische Hindernisse für die Schausteller sind die Vielfalt der beruflichen Tätigkeitsbereiche, die zeitlichen Vorgaben für die Ausbildungsdauer und die Tatsache, dass Schausteller ihre Kinder nicht in ihrem eigenen Betrieb ausbilden dürfen, wenn die entsprechenden Ausbilderqualifikationen nicht vorliegen. Letzteres widerspricht der Schaustellertradition und würde verhindern, dass die besondere Art der Übermittlung von familientypisch erworbenen Kenntnissen und Fertigkeiten auf die nachfolgende Generation nicht möglich wäre.

3. In Frankreich und England ist das duale Berufsbildungssystem nicht eingeführt, und es ist dort bislang nicht beabsichtigt, eine duale Berufsausbildung für Schausteller anzustreben.

4. Allerdings sind modulare Berufsbildungslehrgänge in beiden Ländern seit längerer Zeit bekannt und werden mit Erfolg praktiziert. Zudem ist der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) in beiden Ländern erheblich weiter umgesetzt worden als in Deutschland.

5. Für den ETT-EDU-Projekterfolg bedeutet dies, dass durch die Partnerschaft ein tragbares Gerüst von Modulen für den theoretischen Teil einer kaufmännisch orientierten Ausbildung für Schausteller nach dem EQR erarbeitet werden konnte. Die Lerneinheiten wurden in die Partnersprachen übersetzt und transferiert, so dass die beteiligten Schulen in den nächsten Monaten in ihren Einrichtungen Pilotlehrgänge mit diesen Modulen durchführen können.

6. Für den technischen Bereich des Schaustellergewerbes wird zur Zeit ein ergänzendes Angebot erarbeitet.

7. Eingebettet sind die Lerneinheiten in eine Staffelung von Kompetenzen, die die Systematisierung des Europäischen Qualifikationsrahmens aufgreift und auf die beruflichen Qualifikationen der beruflichen Anforderungen an Schausteller bezieht. Die Entwicklung eines entsprechenden, auf Kompetenzen basierenden Qualifikationsrahmens ist ein erheblicher Schritt zur Weiterentwicklung der beruflichen Standards für das Schaustellergewerbe und damit eine wichtige Unterstützung der Existenzfähigkeit der Schaustellerbetriebe.

Mit diesen Projektprodukten werden die Projektpartner nach Abschluss der Projektarbeiten vielfältige Möglichkeiten haben, passgenaue Ausbildungskonzepte für ihren Unterrichtsbedarf zur beruflich Bildung reisender Jugendlicher zu entwickeln und sie in eine Struktur beruflicher Kompetenzen einzuordnen.