Infos A-Z

Adressen

Alle wichtigen Adressen (Ministerien, Schulämter, Schulen, Bereichslehrkräfte, Verbände, Kirchen…) finden Sie in der bundesweiten Adressenbroschüre „Schule unterwegs“. Man kann die aktuellste Fassung aus dem Internet herunterladen.

Ansprechpartner

Ansprechpartner für das reisende Kind ist vor allem die Stammschule und dort die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Bereichslehrkraft. Die Klassenlehrkräfte halten auch während der Reise Kontakt zu den reisenden Kindern und ihren Eltern. Erforderlich ist eigentlich, dass jede Lehrkraft, die mit einem reisenden Kind in Kontakt kommt, auch als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Während der Reisezeit übernehmen Bereichslehrkräfte in Zusammenarbeit mit den Betreuungslehrkräften an den Stützpunktschulen diese Funktion für durchreisende Kinder. Vor allem dann, wenn sie feststellen, dass diese (noch) keine Anbindung an eine Stammschule haben, ist Handlungsbedarf gegeben.

Aufnahme

Reisende Kinder haben einen Anspruch auf Aufnahme in die Schule. Dies gilt insbesondere auch für während der Saison aufgesuchte Schulen. Bei der Aufnahme sieht die Schulleiterin oder der Schulleiter der Stützpunktschule das Schultagebuch ein und entscheidet entsprechend den dort enthaltenen Angaben, ggf. in Zusammenarbeit mit der zuständigen Bereichslehrkraft, in welche Klasse das reisende Kind kommt.

Ausland

Manche Familien reisen während der Saison durch mehrere Länder der Bundesrepublik Deutschland und auch im europäischen Ausland. Schulwechsel für die Kinder beruflich Reisender können daher auch beinhalten, dass der Unterricht in einer fremden Sprache stattfindet. Die schulische Betreuung wird dadurch erleichtert, dass die von der Stammschule mit dem Schultagebuch mitgegebenen individuellen Lernpläne und Materialien ein hohes Maß an Selbstständigkeit, Selbstkontrolle und damit auch Selbstverantwortung ermöglichen. Bei geplanten Auslandsaufenthalten der reisenden Kinder ist zur Vorbereitung die Kontaktaufnahme mit der Stammschule oder der Bereichslehrkraft geboten.

BeKoSch

Das Angebot BeKoSch (Entwicklung beruflicher Kompetenzen für Schausteller und Circusangehörige) beinhaltet Angebote für Block- und Fernunterricht im kaufmännischen, gewerblich-technischen und allgemein bildenden Bereich, durch die Zertifikate für das Berufsschulabschlusszeugnis, den Haupt-schulabschluss und die erbrachten Teilleistungen erworben werden können. Solche Kompaktkurse werden bisher an drei Standorten, und zwar in Nidda (Hessen), Neumünster (Schleswig-Holstein) und Herne (Nordrhein-Westfalen) angeboten.

Bereichslehrkräfte

In den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen sind Bereichslehrkräfte beauftragt, die in ihren jeweiligen Regionen bzw. Bereichen die Begleitung der Kinder übernehmen, Hausaufgabenbetreuung und Förderunterricht anbieten und die Eltern sowie auch Stamm- und Stützpunktschulen beraten. Sie kooperieren bei ihrer Arbeit mit den Bereichslehr-kräften anderer Regionen und auch Länder.

BERiD

BERiD (Verband zur Förderung der schulischen Bildung und Erziehung von Kindern der Angehörigen reisender Berufsgruppen in Deutschland e.V.) verfolgt den Zweck, die Rahmenbedingungen für die schulische Bildung und Erziehung von Kindern der Angehörigen reisender Berufsgruppen in Deutschland zu verbessern. Er will vordringlich erreichen, dass die zuständigen Institutionen die rechtlichen, pädagogischen, sozialen, wirtschaftlichen und steuerlichen Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Kinder beruflich Reisender eine schulische Bildung und Erziehung empfangen können, die der anderer Kinder in der Gesellschaft gleichwertig ist. Die Mitglieder sind in der Regel Vereine, Organisationen und andere Einrichtungen, die für zumindest eine der reisenden Berufsgruppen tätig sind. (www.berid.de; e-mail: www.berid.de)

Berufsbildende Angebote

-> siehe BeKoSch

Berufsschulpflicht

Die Berufsschulpflicht gilt ebenso wie die Schulpflicht auch für die Kinder beruflich Reisender; örtliche Angebote sind allerdings aufgrund der Reise kaum wahrnehmbar. Die Klassenlehrerinnen oder Klassenlehrer der Stammschulen sind gebeten, berufsschulpflichtig werdende reisende Jugendliche und ihre Eltern über die vorhandenen speziell für beruflich Reisende geschaffenen Angebote zu informieren und nach Möglichkeit bei der Anmeldung zu unterstützen. Auch Bereichslehrkräfte und ggf. Betreuungslehrkräfte an den Stützpunktschulen beraten Eltern entsprechend. (Siehe BeKoSch).

Betreuungslehrkräfte

Dies ist die Bezeichnung für die Lehrkräfte, die an den Stützpunktschulen für die Betreuung der Kinder beruflich Reisender benannt worden sind. In Brandenburg werden die Ansprechpartner an den Stammschulen so genannt.

Betriebspraktika

Sofern von den Stammschulen Betriebspraktika angeboten werden, sollten die beruflich reisenden Familien mit der Möglichkeit der Teilnahme vertraut gemacht werden. Da die reisenden Jugendlichen der achten, neunten und zehnten Klassen aufgrund ihrer Lebensumstände die von den Schulen angebotenen Termine der Praktika häufig nicht wahrnehmen können, sind Schulen und Bereichslehrkräfte gehalten, sie bei der Beschaffung eines Praktikumplatzes auch zu einem anderen Termin am Ort der Stammschule oder in dem Ort, an dem sich der reisende Jugendliche gerade aufhält, zu unterstützen und während des Praktikums entsprechend zu betreuen. Auch ein Praktikum in einem anderen Schaustellerbetrieb oder Circusunternehmen ist möglich.

Circus- und Schaustellerseelsorge

Die Evangelische und die Katholische Kirche haben sich in Deutschland seit Jahrzehnten für eine Verbesserung der sozialen und schulischen Situation der Kinder beruflich Reisender eingesetzt. Insbesondere haben sie Pfarrer mit entsprechenden Betreuungsaufgaben bereitgestellt.

Familie

Die Sozialisation der reisenden Kinder findet in einem Umfeld statt, das sich wesentlich von dem nicht reisender Kinder unterscheidet. Die Tatsache, dass die Familie gleichzeitig Erwerbsgemeinschaft und Lebensgemeinschaft ist, bedingt starke familiäre Bindungen, aus denen die Kinder psychische, emotionale und soziale Stabilität beziehen. Aufgrund ihrer Mobilität sind für die Reisenden engere Beziehungen zur „stationären“ Gesellschaft oft nur schwer möglich. Die Unterbringung der Kinder z. B. im Internat wird von den Familien häufig abgelehnt, da die Trennung von den Eltern und dem Schausteller- bzw. Circusmilieu Probleme mit sich bringen würde.

Ferien

-> siehe Jahresurlaub

Fernlernen

-> siehe ODL/Fernlernen

Förderunterricht

Fördermaßnahmen sind heute an allen Schulen erforderlich und üblich. Für Kinder auf der Reise ist der Förderunterricht an den Stützpunktschulen von besonderer Bedeutung. Hier sollten die reisenden Kinder unbedingt in Fördermaßnahmen der Klasse einbezogen werden, oder es sollten in Absprache mit der Bereichslehrkraft je nach Bedarf für die Dauer ihres Aufenthaltes besondere Fördermaßnahmen eingerichtet werden. Die individuellen Lernpläne im Schultagebuch und die Eintragungen zum Lernstand geben hierfür Hinweise. Dabei sollte die Einbindung der Kinder in den Arbeitszusammenhang der Familien berücksichtigt werden. Damit die Fördermaßnahmen wahrgenommen werden können, sollten sie zeitlich nicht (z. B. mit der Nachmittags-vorstellung bei Circusunternehmen) kollidieren. Der Förderunterricht ist auch eine zentrale Aufgabe der Stammschule, um die von der Reise kommenden Kinder an den Lernstand der Klasse heranzuführen. Die Kinder Reisender sind nicht Gäste sondern ordentliche Schüler der Stammschule mit denselben Rechten und Pflichten wie alle anderen, auch dem Recht auf Förderung! Die Möglichkeit der Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs sollte vor dem Hintergrund geprüft werden, ob der festgestellte Förderbedarf möglicherweise systembedingt ist, d.h. ursächlich mit dem Reiseverhalten zu tun hat, und ob das Reiseverhalten der Eltern sonderpädagogische Förderung überhaupt realisierbar erscheinen lässt. Die Feststellung des sonder-pädagogischen Förderbedarfs kann dazu führen, dass für das Kind mit der Festlegung des Förderortes “Sonderschule/Förderschule” auf der Reise überhaupt keine Schule mehr erreichbar ist.

Gesellschaft der Circusfreunde

Gesellschaft der Circusfreunde e.V. (GCD) bezweckt die Förderung und Erhaltung der Circus- Varieté- und Artistenkunst in all ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen (www.circusfreunde-gcd.de). Sie gibt die monatlich erscheinende ‚Circuszeitung’ heraus (www.circus-verlag.de) und unterhält örtliche Zusammenschlüsse von Mitgliedern (Sektionen), die Veranstaltungen im Sinne der Satzung durchführen und Kontakte zu Circusunternehmen pflegen. Sie unterhält außerdem einen Informationsdienst über Circusgastspiele (www.circus-gastspiele.de oder 05158-626).

Hausaufgaben

Hausaufgaben machen nur dann Sinn, wenn sie selbstständig erledigt werden können und wenn ihre Kontrolle gewährleistet werden kann, was bei Kurzaufenthalten oft nicht möglich ist. Sinnvoll ist deshalb die Entwicklung von Aufgaben, die Selbstkontrolle ermöglichen, oder auch von Langzeitauf-gaben (z.B. Reisetagebuch, Fotodokumentation, eine Interviewreihe) durch die Stammschule oder eine Stützpunktschule, an der die Verweildauer länger ist.

Hausaufgabenbetreuung

Die Wohnsituation von Kindern auf der Reise (Wohnwagen auf dem Festplatz während der Dauer des Circusgastspiels bzw. der Kirmes) sowie die Tatsache, dass reisebedingt Unterrichtstage entfallen, legen nahe, den reisenden Kindern an den Stützpunktschulen – wenn möglich – Silentien bzw. Hausaufgabenbetreuung anzubieten, um notwendige Hilfestellungen und eine störungsfreie Arbeitsumgebung zu gewährleisten.

Jahresurlaub

Beruflich reisende Familien haben hohe Tagesarbeitszeiten und müssen auch an Wochenenden und Feiertagen ihren Geschäften nachgehen. Die Winterpause ist für sie häufig auch die einzige Zeit für den Jahresurlaub, der oft im Anschluss an die Weihnachtsfeiertage genommen wird. Während der Reisesaison können sie – und damit auch ihre Kinder – nun einmal keinen Urlaub machen. Generelle Regelungen zu Fragen des Familien-urlaubs liegen in den Ländern schon in Anbetracht der unterschiedlichen Länge der Weihnachtsferien nicht vor. Falls der geplante Urlaub Schulzeiten berührt, sollten die Stammschulen den eingeschränkten Urlaubsmöglichkeiten für beruflich Reisende möglichst verständnisvoll begegnen und ggf. den Familien im Rahmen von Einzelfallberatung Empfehlungen im Hinblick auf Zeitpunkt und Dauer des Urlaubs geben.

Klassenlehrerin / Klassenlehrer

Die Klassenlehrerin/ der Klassenlehrer der Stammschule muss sich für das reisende Kind auch während der Saison verantwortlich fühlen; insbesondere soll durch ihre oder seine Unterstützung der Kontakt zu dem Kind und den Eltern aufrecht erhalten bleiben. Dies wird um so eher möglich sein, je stabiler das Vertrauensverhältnis zwischen der Familie und der Klassenlehrerin/ dem Klassenlehrer ist.

Kontrolle

Kontrolle des Schultagebuchs beinhaltet insbesondere, die in ihm enthaltenen Informationen für den Unterricht zu nutzen und der jeweils nachfolgenden Schule (und der Stammschule) Informationen zu übermitteln. Kontrolle der Arbeit mit reisenden Kindern bedeutet vor allem zu überprüfen, ob und inwieweit der Schulbesuch auf der Reise inhaltlich, d.h. in seinen Hilfestellungen für die reisenden Kinder verbessert werden kann. Kontrolle lediglich der Schulpflicht wird dem Anliegen, die schulische Situation reisender Kinder zu verbessern, angesichts seiner spezifischen pädagogischen Heraus-forderungen nicht gerecht.

Lehrbücher und Lernmaterialien

Die reisenden Schülerinnen und Schüler arbeiten in den Fächern Deutsch, Mathematik und Fremdsprache während der Reisezeit mit den Lehrbüchern und Materialien, die sie zusammen mit dem Schultagebuch in den darin enthaltenen individuellen Lernplänen bei sich führen und an der Stammschule erhalten haben. In den sonstigen Fächern ist es in der Regel sinnvoller, sie in den jeweiligen Unterricht der Stützpunktschule einzubeziehen und nach den dort verwendeten Materialien arbeiten zu lassen.

Leistungsbewertung

-> siehe Zeugnisse

Lernbausteine

Für die Fächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprache enthält das Schultagebuch zwischen den Ländern abgestimmte Lernbausteine, auf deren Grundlage die Stammschule die individuellen Lernpläne für das jeweilige Kind entwickelt. Die Lernbausteine orientieren sich an den KMK-vereinbarten Bildungsstandards.

Lernkontinuität

Eine erfolgreiche Schullaufbahn setzt dauerhaften und regelmäßigen Schulbesuch voraus und ist um so eher dann zu verwirklichen, wenn ein Kind langfristig an einer Schule verweilt. Jährlich mehr als 30 Schulwechsel mit ständigem Wechsel von Lehrkräften, Methoden, Unterrichtsmaterialien, Mitschülerinnen und Mitschülern verhindern Kontinuität, die eine unerlässliche Voraussetzung für erfolgreiche Lernprozesse ist. Das mit der Schulpflicht einhergehende Recht auf angemessene schulische Betreuung ist für reisende Kinder nur dann zu gewährleisten, wenn die schulischen Angebote die tatsächliche Lebens- und Berufssituation der reisenden Familien berücksichtigen. Solange eine kontinuierliche personelle Begleitung beim Lernen nicht möglich ist, kann nur durch konsequente und kontinuierliche Nutzung des Schultagebuchs und der in ihm enthaltenen individuellen Lernpläne diesem Mangel entgegengewirkt werden. Dazu ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den reisenden Familien und den Bereichslehrkräften sowie den Stützpunkt- und Stammschulen zwingend erforderlich.

Lernpläne

Um den Lehrkräften der Stützpunktschulen Hilfestellung zu geben, entwickeln die Stammschulen für die Fächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprache auf der Basis der zwischen den Ländern abgestimmten Lernbausteine als Bestandteil des Schultagebuchs individuelle Lernpläne, die über den bereits erreichten Lernstand, aber auch über noch zu Übendes informieren. Sie sind auf die verkürzte Unterrichtszeit der reisenden Kinder abgestimmt.

ODL / Fernlernen

ODL (Open and Distance Learning) bzw. Fernlernen beinhaltet die Möglichkeit, den Mangel an dauerhaften Bezugspersonen während der Reise durch besonders engen Kontakt mit den Lehrkräften der Stammschule soweit als möglich auszugleichen und unabhängig von Stundenplänen und Schulge-bäuden zusätzliche Lernzeit zu gewinnen. Dabei ist die Vorbereitung des Materials für die Reise durch die Lehrkräfte der Stammschule ebenso wichtig wie die enge Zusammenarbeit zwischen Stützpunktschulen und Stammschule während der Reise, damit die Fernbetreuung der reisenden Kinder optimal verläuft. Anhand des vor der Reise an der Stammschule durch die Betreuungslehrkraft (Klassenlehrerin bzw. Klassenlehrer) in Kooperation mit den Fachlehrkräften vorbereiteten individuellen Lernplans und des darauf abgestimmten Lernmaterials wird während der Reise an den Stützpunktschulen Parallelität des Lernens mit der Stammschulklasse angestrebt. Dies setzt regelmäßige Lernerfolgsrückmeldungen (Lernstandsberichte) voraus, aufgrund derer die Klassenlehrerin/der Klassenlehrer Korrekturen oder Ergänzungen zum Lernplan vornehmen kann. Nach der Reise unterstützen sie die Sicherung des Anschlusses an das Lernen in der eigenen Stammschulklasse.

Der Einbezug der neuen Medien und des elektronischen Lernens erweitert die Möglichkeiten des Fernlernens. Deshalb sollen Stammschulen und Bereichslehrkräfte reisende Kinder zunehmend im Umgang mit Computer und den damit verbundenen Lernmöglichkeiten vertraut machen. So ist für die nächsten Jahre vorstellbar, durch elektronische Fernbetreuung (Lerntutorien, virtuelles Klassenzimmer, Chat rooms) neue Formen des Unterrichts für reisende Kinder anzubieten.

Reise, Reiseverhalten

Reise ist weder gleichzusetzen mit „Verreisen“ noch mit „Nichtsesshaftigkeit“. „Auf der Reise“ sein heißt, während der wärmeren Monate des Jahres, der Saison, beruflich unterwegs sein. Berufsbedingt ergeben sich für die Menschen „von der Reise“ zwei Jahreszeiten: die Saison und die Winterpause. Die europäische Öffnung, wachsender Konkurrenzdruck, wärmere Winter wie auch das Problem, dass es schwer ist, Winterquartiere zu finden, bedingen, dass die Winterpause immer kürzer wird und manche Unternehmen sogar dazu übergehen, im Winter weitgehend durchzureisen und während der Sommerferien zu pausieren.

Reisetage

Reisetage sind die Tage, die für Abbau, Umsetzen und Aufbau gebraucht werden, wenn das Unternehmen von einem zum nächsten Ort wechselt. An diesen Tagen ist für die reisenden Kinder und Jugendlichen der Schulbesuch nicht oder nur eingeschränkt möglich, und vor allem ist an Reisetagen Nachsicht bei der Stellung von Hausaufgaben geboten: Wann sollen sie gemacht werden, und wer wird sie überprüfen?

Schülerunfallversicherung

Schülerinnen und Schüler allgemeinbildender und beruflicher Schulen genießen gesetzlichen Unfallversicherungsschutz (Sozialgesetzbuch – SGB- VII; RVO § 539, Abs.1, Nr 14 b)). Dies betrifft auch Schülerinnen und Schüler, die auf der Reise wechselnde Schulen besuchen. Der Unfallver-sicherungsschutz erstreckt sich auf alle Tätigkeiten innerhalb des rechtlichen und organisatorischen Verantwortungsbereichs der Schule sowie auf den Schulweg. Die Unfallmeldung muss an der Schule erfolgen, an welcher der Unfall geschehen ist.

Schulanfänger

Vor allem für Schulanfänger, die das Lesen und Schreiben auf der Reise lernen müssen, bedeuten der unvermeidbare ständige Schulwechsel sowie die durch die Reisetage verkürzte Lernzeit eine erhebliche Belastung. Kommen unterschiedliche Lehrwerke und methodische Zugänge hinzu, sind die Kinder zwangsläufig überfordert. Es ist deshalb unabdingbar, inhaltlich und methodisch auf Lernkontinuität zu achten und auf den Lernplänen, dem Lehrwerk und den Materialien, mit denen das Kind durch seine Stammschule ausgestattet ist, aufzubauen. Stellt sich bei der Ersteinschulung eines Kindes an einer Stützpunktschule (d.h. während der Reise) heraus, dass keine Materialien vorliegen und noch keine Stammschule existiert, stattet diese Schule das Kind mit dem Schultagebuch aus. Sie und die zuständige Bereichslehrkraft bzw. (in Ländern, in denen es keine Bereichslehrkräfte gibt) das Schulamt ent-scheiden über die Übernahme der Stammschulfunktion und über die weitere Ausstattung des Kindes (siehe auch: Stammschule für Circuskinder).

Schulanmeldebogen

Download PDF: Schulanmeldebogen

Schulbesuchskalender

Der Schulbesuchskalender im Schultagebuch soll den Lehrkräften auf der Reise sowie an der Stammschule einen Überblick über den zeitlichen Umfang des Schulbesuchs der reisenden Kinder ermöglichen. Diese Übersicht ist bei der Würdigung der Leistungen des Kindes zu berücksichtigen. Sie gibt außerdem der Stammschule Aufschluss darüber, in welchem Maße reisebedingte Kürzungen der Unterrichtszeit nach Möglichkeit durch Fördermaß-nahmen ausgeglichen werden sollten.

Schule für Circuskinder in NRW

Für die Kinder von Circusangehörigen gibt es in Nordrhein-Westfalen seit 1994 eine eigene Schule mit Schulmobilen und reisenden Lehrkräften. Die Lehrerinnen und Lehrer der Schule für Circuskinder in NRW, die von der Evangelischen Kirche im Rheinland getragen wird, kommen zu den Kindern von Familiencircussen, um ihnen auf dem Circusplatz Unterricht zu erteilen. Nähere Informationen finden Sie hier:

Weiter zur Webseite: Schule für Circuskinder

Schule im Circus e.V.

Der gemeinnützige Verein bezweckt die Förderung der Bildung und Erziehung der Kinder von Circusangehörigen, ggf. auch als Träger geeigneter Einrichtungen. Er arbeitet mit anderen Organisationen ähnlicher Zielsetzung, mit der Circus- und Schaustellerseelsorge und Schulministerien und der Schule für Circuskinder in NRW zusammen und steht als Ansprechpartner für Eltern, Lehrkräfte und Behörden zur Verfügung. Er berät und hilft Unternehmen bei der Lehrersuche, fördert Projekte und veranstaltet bundesweite Lehrerfortbildungen zum Thema.

Weiter zur Webseite: Schule im Circus e.V.

Schulpflicht

Kinder beruflich Reisender unterliegen, wie alle anderen Kinder in Deutschland auch, der allgemeinen Schulpflicht und der Berufsschulpflicht. Die entsprechenden Regelungen in den Ländern sind unterschiedlich. Die Erfüllung der Schulpflicht dient primär den Interessen des einzelnen Kindes bzw. Jugendlichen. Beruhen Probleme bei der Erfüllung der Schulpflicht auf Umständen, die weder von dem Kind bzw. Jugendlichen noch von seinen Eltern zu vertreten sind, kommen Zwangsmaßnahmen nicht in Frage. Dies gilt insbesondere dann, wenn es auf die besondere berufliche Situation der Eltern (z.B. Reisende) zurückzuführen ist. Die diesbezüglichen schulrechtlichen Bestimmungen gehen auf die besondere Lebenssituation von Reisenden nicht ein, bieten aber bei einer an den Interessen des Kindes ausgerichteten Auslegung genügend Freiräume für Schulaufsicht, Schulen und Lehrkräfte, um durch geeignete schulische Maßnahmen die besondere Situation der Reisenden zu berücksichtigen.

Schultagebuch

Das Schultagebuch ist Grundlage für den unverzichtbaren Informationsaustausch zwischen Stammschule, Stützpunktschulen, Bereichslehrkräften und Eltern; es gibt Informationen und Hinweise zum Lernprozess des reisenden Kindes oder Jugendlichen. Jedes Schultagebuch enthält von der Stammschule erstellte individuelle Lernpläne für die Fächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprache. In ihm werden die behandelten Inhalte und die Schulbesuchstage dokumentiert. Seine Verwendung ist in allen Ländern verpflichtend.

Weiter zum Schultagebuch

Stammschule

Die Stammschule ist die Schule, an der die Kinder reisender Familien während der reisefreien Zeit über einen längeren Zeitraum verweilen. In der Regel ist dies eine Schule am Hauptwohnsitz oder am Winterstandort der beruflich reisenden Familie. Sie führt die Schülerakte, bereitet mit dem Kind und den Eltern die schulischen Aufgaben für die Reisesaison vor, hilft bei Lernschwierigkeiten, stellt Lernmaterial und Schultagebuch bereit und stellt die Zeugnisse aus. Der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer kommt hierbei besondere Bedeutung zu. Beim Übergang von der Grundschule in den Sekundarbereich I berät die abgebende Schule die Eltern hinsichtlich der Schulform.

Stammschule für Circuskinder

Für viele Circuskinder ist die Festlegung von Stammschulen wegen der von Jahr zu Jahr wechselnden Winterquartiere ungeklärt. Wenn eine Schule bei der Aufnahme eines Kindes während der Reise oder zu Beginn der Winterpause feststellt, dass keine Materialien vorliegen und noch keine Anbindung an eine Stammschule existiert, muss sie sofort reagieren. Sie stattet das Kind mit dem Schultagebuch aus. Sofern sie nicht als Schule am Winterquartier automatisch Stammschule wird, entscheiden sie und die zuständige Bereichslehrkraft bzw. (in Ländern, in denen es keine Bereichslehrkräfte gibt) das Schulamt über die Übernahme der Stammschulfunktion.

Folgende Alternativen sind dabei denkbar:

Übernahme der Stammschulaufgaben durch die Schule einer Bereichslehrkraft. Durch die Anwesenheit der Bereichslehrkraft ist diese Schule mit dem Thema “Schule für reisende Kinder” besonders vertraut. Die Schulleitung unterstützt die Bereichslehrkraft entsprechend.

Übernahme der Stammschulaufgaben durch die Stützpunktschule (Grundschule), die das Kind erstmalig beschult. Ein gewichtiges Problem kann sein, dass das reisende Kind diese Schule nie wieder anreist. Erforderlich ist die Bereitschaft von Eltern und Schule, in ständigem Kontakt zu bleiben.

Eine engagierte Stützpunktschule in der Sekundarbereich I übernimmt die Aufgaben. Die Anmerkungen zu 2. gelten analog.

Die Schule für Circuskinder in NRW (private Ersatzschule) übernimmt Stammschulfunktion; die Schule entscheidet über die Aufnahme des Kindes gemäß ihren Aufnahmekriterien, soweit Platzkapazitäten frei sind und das Kind sich mindestens die Hälfte des Jahres in NRW aufhält.

Die Entscheidung über das Angebot einer der o.a. Stammschulkonstruktionen für ein Circuskind sollte für den jeweiligen Einzelfall aufgrund der indivi-duellen Rahmenbedingungen gefunden werden.

Stützpunktschulen

Stützpunktschulen sind Schulen, die während der Reise besucht werden und in der Regel in der Nähe von Festplätzen liegen. Sie stellen sich in besonderer Weise auf die Betreuung von Kindern beruflich Reisender ein. Sie beziehen die Kinder in Fördermaßnahmen ein bzw. organisieren zusätzliche Förderangebote. Zwischen Stammschule und Stützpunktschule ist ein Informationsaustausch insbesondere über die Lernfortschritte der Kinder erforderlich, der durch das Schultagebuch erleichtert wird. Einmal jährlich sollte in jeder Stützpunktschule das Thema “Reisende Kinder” in einer Lehrerkonferenz angesprochen werden. Als besonders hilfreich hat sich dabei das Video “Lernen auf der Reise” erwiesen, das insbesondere den Umgang mit dem Schultagbuch erläutert. Sollte es an den Kreisbildstellen bzw. Schulämtern nicht vorrätig sein, sollte die Behörde gebeten werden, es zu beschaffen.

Unterrichtsthema Circus oder Kirmes

Insbesondere an Stützpunktschulen sollte man vermeiden, den Schulbesuch von reisenden Kindern zum Anlass zu nehmen, das Thema‚ Circus oder Kirmes’ spontan „mal eben aufzugreifen“. Das Einbeziehen dieser Kinder gelingt dadurch nicht besser. Für die Kinder von der Reise ist diese an vielen Schulen geübte Praxis allerdings bestenfalls lästig; vor allem aber machen sie keine Lernfortschritte. Die ohnehin knappe Unterrichtszeit wird vertan. Zu empfehlen sind Unterrichtseinheiten an der Stammschule, die geeignet sind, das gegenseitige Verständnis zwischen reisenden und nicht reisenden Kindern zu erhöhen.

Urlaub

-> siehe Jahresurlaub

Winterpause

Winterpause ist die Zeit von längstens Mitte Oktober bis Mitte März, in der die Unternehmen nicht reisen, sondern sich im Winterquartier auf die neue Reisesaison vorbereiten, ihr Material überholen etc. Dies ist demzufolge auch die Zeit, in der nicht verdient wird. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Saison spürbar länger geworden ist, d. h. die Winterpause sich verkürzt hat. Weihnachtscircus, Weihnachtsmärkte und Winterkirmes werden häufiger.

Winterquartier

Winterquartier ist die Bezeichnung für den Winterstandort des Unternehmens bzw. der Familie. Während Schausteller in aller Regel feste Winterquartiere (d.h. auch feste Anschriften) haben und damit auch die Kinder jährlich an die gleiche Stammschule zurückkehren, kommt es im Bereich des Familien-circus häufiger vor, dass die Circusse dort überwintern, wo sie im Spätherbst die Saison beenden. Viele Familienunternehmen besitzen keine eigenen Winterquartiere und müssen sich jährlich neu orientieren. Damit kann erforderlich werden, dass in jedem Winter eine neue Schule die Aufgaben der Stammschule übernimmt. Um dies angemessen tun zu können, ist die Auswertung des Schultagebuches und die Kontaktaufnahme zur letzten Stamm-schule wichtig.

Zeugnisse, Leistungsbewertung

Aufgrund der generellen Verantwortung der Stammschule für die Schullaufbahn des reisenden Kindes ist sie auch für die Erstellung der Zeugnisse verantwortlich. Grundlage hierfür sind die im Schultagebuch formulierten Beurteilungen der Lehrkräfte aller von dem Kind besuchten Schulen und die im individuellen Lernplan des Kindes vorgenommenen Eintragungen der am Lern- und Entwicklungsprozess des Kindes Beteiligten. Es ist sinnvoll, die Bereichslehrkraft in die Beratungen einzubeziehen. Der Grundsatz, dass die Leistungsbewertung für das Kind hilfreich und ermutigend sein soll, legt eine Kombination von Wortgutachten und Ziffernoten nahe.

Zusammenarbeit mit den Eltern

Während der Reisezeit, verbunden mit mindestens wöchentlichem Schulwechsel, kann sich kaum Kontakt zwischen Eltern und einzelnen Schulen aufbauen. Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und Eltern ist aber sinnvoll und vor allem während der Winterpause auch zu verwirklichen. Kontakte sollten von der Schule, den Lehrerinnen und Lehrern ausgehen. Eine wichtige Rolle spielt hier die Bereichslehrkraft als Bezugsperson zwischen verschiedenen Schulen und Familie. Wenn die Familien spüren, dass man sie ernst nimmt, gehen sie auf Gesprächsangebote ein. Sie erwarten allerdings Verständnis für ihre besondere Situation und ihr daraus resultierendes Anderssein. Erforderlich ist, dass ,die’ Schule sie in ihrem Anderssein als Gleichberechtigte akzeptiert. Das beinhaltet als erstes Verständnis für die Tatsache, dass die reisende Lebensweise nicht gleichbedeutend ist mit mangelnder Anpassungsfähigkeit an das (stationäre) Schulsystem.

Zuständigkeit

In Anbetracht des häufigen Wechsels des Lernorts und auch der Tatsache, dass manche reisende Kinder wechselnde Winterschulen besuchen, ist erforderlich, dass sich jede – auch noch so kurz besuchte – Schule für die pädagogische Betreuung und Schullaufbahn der reisenden Kinder verantwortlich fühlt. Die Sorge und Verantwortung für die Bildung der reisenden Kinder gilt nicht nur für Kinder, die im eigenen Bundesland ihren Hauptwohnsitz haben, sondern für alle reisenden Kinder, gerade und insbesondere auch für die durchreisenden. Dies erfordert zwingend enge Zusammenarbeit und Vernetzung aller am Bildungsprozess Beteiligten auch über Ländergrenzen hinweg.