Berufsausbildung für Jugendliche aus Circusfamilien

Am 17. Juli trafen sich Vertreter*innen der NRW Ministerien für „Arbeit, Gesundheit und Soziales“ (MAGS) und für „Bildung und Schule“ (MBS) mit Alfred Assmann und Thomas Zimmermann als Leiter der BERiD-Arbeitsgruppe „Berufsausbildung für Jugendliche aus Circussen“ sowie Ann-Kathrin Bichlmaier als Vertreterin der Circusse zu einem grundlegenden Gespräch. Wege und Möglichkeiten einer eventuellen Berufsausbildung für die Jugendlichen aus Circusfamilien wurden intensiv erörtert.

Die umfängliche fachjuristische Recherche des MAGS führte zu dem Resultat, dass das angestrebte Ziel, ein bundesweit tragendes Berufsbild „Circusfachkraft“ im Verständnis eines kompetenzorientiert – modularisierten Berufsbildes zu entwickeln, auf kurze Sicht ausgeschlossen ist. Das Verfahren zur Schaffung eines neuen Berufsbildes wäre immens  zeitraubend und es wäre mit erheblichen Schwierigkeiten und Widerständen im Prozess zu rechnen. Insbesondere würde ein kompetenzorientiert – modularisiertes Berufsbild die zentrale Forderung des perspektivisch genehmigenden „Bundesinstituts für Berufsbildung“, nämlich die sog. Gewerkeabgrenzung (1 Gewerk / 1 Beruf) nicht erfüllen.

Gegen ein „Berufsbild nach Landesrecht“ spricht neben der zu vermutenden ablehnenden Haltung der Kammern auch die enge Begrenztheit auf das Land NRW. Reisenden Jugendlichen wäre im Ernstfall damit nicht gedient.

Ein mögliches Modell für eine Übertragung auf den Bereich der Circusse wäre nach Ansicht aller Beteiligten, die bereits für den Bereich der Schausteller im Projekt „Bekosch“ in Nidda (Hessen) etablierten Ausbildungsmöglichkeit zum Verkäufer / ggf. Einzelhandelskaufmann. Dort ist es gelungen, die Kammern einzubinden und es reisenden Jugendlichen zu ermöglichen, nach entsprechenden sich über mehrere Jahre erstreckenden Präsenz – und Online – Lernphasen die Prüfung zum Verkäufer / ggf. Einzelhandelskaufmann in einem „Externen Prüfungsverfahren“ abzulegen.

Die Vertreterinnen der Ministerien MAGS NRW und MSB NRW zeigten sich sehr interessiert und bereit, in ihren Häusern die Grundsätzlichkeit zur Realisierung des Modellansatzes zu recherchieren und zu hinterfragen, ob es NRW – weit Strukturen zur Umsetzung gibt bzw. inwieweit sie neu geschaffen und oder angepasst werden können oder müssen.

 Autor: Jürgen Hein, Präsident von BERiD e.V.

Bild:
von links nach rechts:  A. Aßmann, BERiD, Chr. Ramb, S. Grebenstein u. St. Harms MAGS, Th. Zimmermann BERiD, M. Hakes MSB, vorn AK Bichlmaier Circus Manegentraum