Unterstützung für Kinder bei der Bildung auf der Reise

Informationen für Eltern, Erzieher, Bereichslehrkräfte und andere Bildungsinteressierte
BERiD (Birgid Oertel) im Gespräch mit Irene Labryga

Mitreisende Kinder besuchen auf der Reise mit ihren elterlichen Unternehmen (Stützpunkt-)Schulen in der Nähe der Festplätze oder Schulen mit „aufsuchender Pädagogik“ (NRW und Hessen).
In den letzten 30 Jahren haben die Schulministerien in Deutschland die Bildungsmöglichkeiten für reisende Kinder in allen Ländern erheblich verbessert. Zusätzliche Bereichslehrkräfte sind zur Unterstützung des Schulbesuchs eingestellt, in NRW und Hessen sogar zwei fahrende Schulen aufgebaut worden.
Das bundesweit einheitliche Schultagebuch ist seit 2003 in allen Bundesländern eingesetzt und so angelegt, dass das mitreisende Kind für auf der Reise entstehende Lernlücken einen Nachteilsausgleich erhalten kann, u.a. durch mehr Zeit zum Erreichen von Abschlüssen oder durch einen altersunabhängigen individuellen Lernplan.
Immer mehr Schülerinnen und Schüler beenden seither ihre Schule mit einem Abschluss.
Auch die Digitalisierung soll künftig helfen. Das DIGLU-Projekt („Digitale Lernumgebung“) verspricht zukünftig neben dem Schultagebuch zusätzliche individuelle Lern-und Fördermöglichkeiten für das Kind auf der Reise. Dennoch sind die Rahmenbedingungen in der Regel für Bildung und die Möglichkeiten zum Nachkommen der Schulpflicht für diese Kinder nicht vergleichbar mit den Kindern, die regelmäßig eine feste Schule an einem Standort besuchen. Ein völliger Ausgleich
der entstehenden Nachteile ist nur schwer zu erreichen.

Hinzu kommt, dass manche mit ihren Eltern reisende Kinder außerdem genauso wie solche, die nicht auf der Reise sind, Schwierigkeiten bei der Sprachentwicklung, ihrer Aufmerksamkeit oder auch in der Bewegung haben.
Welche Hilfe können Eltern und Kinder in diesen Fällen bekommen? Es gibt neben den bekannten Angeboten neuerdings auch digitale Angebote therapeutischer Einrichtungen, z. B. im logopädischen Bereich oder im ergo-therapeutischen Bereich. Sie finden zunehmend auch das Interesse reisender Eltern. BERiD-Projektleiterin Birgid Oertel, zuständig für die mobile frühkindliche Bildung, hat eine Praxis in Bayern gefunden, die digitale Therapieangebote für Kinder und Erwachsene
in den Bereichen Logopädie, Ergotherapie und Atemtechnik anbietet. Die Leiterin, Frau Irene Labryga, stellt aktuell ihre Arbeit ihrer Praxis in einem Interview mit Birgid Oertel im Komet für Eltern vor.

Frau Labryga, Sie haben eine Praxis in Landsberg am Lech und begleiten Kinder bei ihrer Sprachentwicklung in Hessen.
„Unser Praxisteam arbeitet seit 2014 in einem interdisziplinären Team, bestehend aus Logopäden, Ergotherapeuten und einer Atemtherapeutin.Seit ca. einem Jahr haben wir unser Angebot um die der Videotherapie erweitert und betreuen nun neben unseren ambulanten Patienten auch Menschen u.a. aus den USA, Spanien und China. Das sind deutsche Familien, die aus beruflichen Gründen dort für einige Zeit leben und deutschsprachige Logopädie oder Ergotherapie benötigen.
Wir freuen uns sehr, nun auch Kinder aus Hessen logopädisch unterstützen zu dürfen“

Welchen Altersgruppen machen Sie welche Angebote?
„Neben unseren erwachsenen Patienten behandeln wir Kinder, meist ab 4 Jahren mit Sprachentwicklungsverzögerungen, z.B. mit eingeschränktem Wortschatz oder Grammatikproblemen, mit Aussprachestörungen, z. B. Lispeln, Kinder,die stottern oder auch Kinder die fehlerhaft schlucken und dadurch die Zähne verschieben.“

Für wen bieten Sie Therapien?
„Für Menschen aller Altersgruppen, die unter Schluck-, Sprech-, Sprach-oder Stimmstörungen leiden. Ausgenommen von der Videotherapie sind Menschen, die unter einer Schluckstörung nach einem Schlaganfallleiden.“

Was kosten Ihre Angebote? Wer finanziert solche Angebote? Welche Voraussetzungen müssen die Menschen mitbringen, um Ihre Leistung in Anspruch nehmen zu können?
„Momentan werden die Kosten für die Videotherapie (und auch die ambulante Therapie) bei Kindern unter 18 Jahren zu 100% von allen Krankenkassen übernommen. Bei den Erwachsenen, nicht von der Rezeptgebühr befreiten Patienten übernimmt die Krankenkasse 90%. Voraussetzung für die Kostenübernahme ist die Feststellung des Therapiebedarfes
beim behandelnden Arzt, u.a. Kinderarzt, Hausarzt, Kieferorthopäde, Neurologe und Ausstellung einer sogenannten Heilmittelverordnung, das ist eine Art Rezept.“

Arbeiten Sie mit den Bildungseinrichtungen der Kinder zusammen?
„Ja, ganz unbedingt! Je mehr wir mit den Bildungseinrichtungen und natürlich den Eltern zusammenarbeiten können,
desto größer der Therapieerfolg.“

Sind neben den digitalen Angeboten auch Präsenzangebote erforderlich oder wünschenswert?
„Das muss man im Einzelfall entscheiden und von der Situation abhängig machen. Unsere Patienten im Ausland treffen wir ausschließlich online und das funktioniert sehr gut. Je nach Alter und „Störungsbild“ bzw. Unterstützungsbedarf beziehen wir dann die Eltern etwas stärker in die Therapie mit ein. Das ist manchmal sogar ein Vorteil gegenüber der ambulanten Therapie.“

Können Sie alle Ihre Angebote digital umsetzen?
„Ganz klar nein. Es gibt manchmal Grenzen – zum Beispiel, wenn die Kinder noch sehr klein sind und mit dem Medium Computer nicht viel anfangen können. Da hilft dann manchmal auch die Unterstützung der Eltern nicht viel.
Wir beschränken uns in diesen Situationen erst einmal auf die Elternberatung und suchen hier nach einer adäquaten Lösung. Auch können und dürfen wir nicht digital tätig werden, wenn der Patient unter einer neurologisch bedingten Schluckstörung (Dysphagie) leidet. Hier muss man „direkt Hand anlegen“ und unbedingt vor Ort sein.“

Wenn Eltern interessiert sind, können Sie sich an Sie wenden?
„Sehr gerne! Wir freuen uns!“

Wie wenden sich Eltern am besten an Sie? Telefonisch oder per Mail?
„Sehr gerne per Mail unter der Adresse info@praxis-labryga.de oder per Telefon unter der Nummer 08191 / 979 80 60.“

Text: Birgid Oertel (bioert@t-online.de)
Projektleiterin für die mobile frühkindliche Förderung, BERiD

Bild: Irene Labryga und Birgid Oertel