DigLu – die Lernplattform für Kinder beruflich reisender Eltern in Deutschland

Projektleiter Friedhelm Jennessen im Interview

Mit dem digitalen Bildungsangebot DigLu geht nun ein bundesweites Pilotprojekt der Bundesländer und der Kultusministerkonferenz an den Start, das flächendeckend dabei helfen soll, eine vergleichbare schulische Bildung
reisender Kinder in den einzelnen Bundesländern sicherzustellen.
Der Bundesfachberater des DSB Andreas Horlbeck spricht im Interview mit dem DigLu-Projektleiter Friedhelm Jennessen
aus dem Ministerium für Schule und Bildung in Nordrhein-Westfalen über das Angebot und die Potenziale der neuen Lernplattform.

Herr Jennessen, beschreiben Sie unseren Lesern doch zu Beginn einmal, was DigLu genau bedeutet und wie das Projekt aufgebaut ist?

DigLu steht als Abkürzung für Digitales Lernen unterwegs und ist ein Produkt der Länder der Bundesrepublik Deutschland und der Kultusministerkonferenz. Es handelt sich um ein online basiertes Lernmanagementsystem, das für die speziellen Bedürfnisse der Kinder beruflich Reisender entwickelt wurde.

Mit DigLu wird das Ziel verfolgt, eine länderübergreifende digitale Infrastruktur für die Bildung der Kinder beruflich Reisender zu schaffen, die das Konzept „Lernen auf der Reise“ mit den Möglichkeiten der digitalen Welt verbindet.

Deshalb soll in einem ersten Schritt das bisherige „analoge“ Schultagebuch in Papierform, das von allen Kindern beruflich Reisender verpflichtend auf der Reise zu führen ist, künftig in digitaler Form bearbeitet werden. Das Schultagebuch kann in seiner bisherigen Papierform die heutigen technischen Möglichkeiten nicht nutzen. Wie wichtig aber Digitalisierung gerade
im schulischen Bereich ist, hat uns die Corona-Pandemie schmerzlich vor Augen geführt.

Das Besondere an DigLu ist, dass es eine einheitliche länderübergreifende digitale schulische Betreuung der Kinder durch die eingebundenen Stamm- und Stützpunktschulen, deren betroffene Lehrkräfte sowie den zuständigen Bereichslehrkräften ermöglicht.

Wie entstand die Idee zu DigLu und welche Akteure sind daran beteiligt?

Der Schulausschuss der Kultusministerkonferenz hatte schon vor Jahren die Länderkonferenz für die Beschulung von Kindern Beruflich Reisender beauftragt, ein neues, länderübergreifendes Schulkonzept zu erarbeiten mit dem Ziel, eine flächendeckende vergleichbare schulische Versorgung reisender Kinder unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Rahmenbedingungen in den einzelnen Ländern zu ermöglichen. Da Bildung aber Ländersache ist, war diese Aufgabe besonders herausfordernd, denn alle 16 Länder sind einzubinden. Hinzu kam die grundsätzliche Überzeugung, dass nur
die Digitalisierung hier weiterhilft.

Hierbei kam uns dann der Digital-Pakt Schulen zu Hilfe. Mit der genehmigten Investitionsmaßnahme „DigLu“ im Rahmen des Digital-Pakts wird es möglich sein, die erforderliche digitale Bildungsinfrastruktur zu schaffen. DigLu wird damit das erste digitale Projekt sein, dass eine Bildungsvernetzung über Ländergrenzen hinweg ermöglicht. Wir sind auch den Schaustellerverbänden sehr dankbar, da sie unser Projekt von Beginn an unterstützt und uns immer wieder Gelegenheit gegeben haben, DigLu vorzustellen und dafür zu werben. Wir wissen, dass gerade der Bereich Bildung bei Ihnen eine zentrale Rolle spielt. Darüber freuen wir uns natürlich sehr.

Warum sollte der Schaustellernachwuchs an dem Projekt teilnehmen? Welche Möglichkeiten bietet DigLu den Schülerinnen und Schülern?

Wie bereits erwähnt, wurde DigLu speziell für die Bedürfnisse der reisenden Kinder, damit natürlich explizit für Kinder aus Schaustellerfamilien entwickelt.
Neben der Digitalisierung des ländereinheitlichen Schultagebuchs kann DigLu aber noch mehr. Es bietet eine geschützte Kommunikationsplattform in Schriftform und Videoübertragung für die Kinder, Eltern, Lehrkräfte der Stamm- und Stützpunktschulen und mobilen Bereichslehrkräfte.
Ebenso ermöglicht es den Zugriff auf digitale Lehr- und Lernmaterialien, die in einer Cloud zur Verfügung gestellt werden können. In einem weiteren Entwicklungsschritt wird es auch Schnittstellen zu anderen digitalen Systemen in den Ländern geben.
Darüber hinaus arbeiten wir gerade an der Entwicklung einer App für DigLu, die den Umgang mit dem System sicherlich noch einfacher und benutzerfreundlicher machen wird. Weiterhin ist geplant, ein onlinebasiertes automatisiertes Anmeldeverfahren für die Eltern/Kinder während der Reise zu entwickeln, so dass die Suche von Stützpunktschulen, die Voranmeldung dort und die Information aller eingebundenen Pädagogen durch DigLu übernommen wird.
Das wird für die Eltern eine große Entlastung bringen und die Lernzeit der Kinder verlängern.

Aktuell erhalten die Kinder mit der Teilnahme eine „DigLu-Karte“ im Scheckkartenformat. Mit dieser Karte melden sich die Kinder bei ihrer jeweiligen Stützpunktschule im Sekretariat an. Die Stammschule hat vorab schon die Daten eingepflegt. Zusammen mit der ID-Nr. auf der DigLu-Karte kann dann die Stützpunktschule das Kind für die Dauer des Aufenthalts im System erfassen und die betreuende Lehrkraft kann temporär Einträge im digitalen Schultagebuch vornehmen. Diese Einträge können Eltern bzw. Schülerinnen und Schüler ebenfalls einsehen, nachdem sie sich im System registriert haben.

Was müssen Eltern tun, wenn sie ihr Kind für das Pilotprojekt anmelden möchten?

Erste Ansprechpartner:innen sind immer die zuständigen Bereichslehrkräfte.

In den sieben Pilotländern Thüringen, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen haben die Bereichslehrkräfte vorab um die freiwillige Teilnahme von Familien/Kindern geworben. Hierzu haben sich erfreulicherweise viele Eltern bereit erklärt. Aktuell nehmen aus den Pilotländern rund 250 Kinder teil. Diese Länder werden das Projekt bis Mitte 2021 gestartet haben.
Bei Interesse können Eltern gerne noch ihre Kinder bei ihren zuständigen Bereichslehrkräften anmelden.

Die Länder Berlin, Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Brandenburg werden ab Herbst 2021 Schritt für Schritt einsteigen. Falls Eltern aus diesen Ländern hieran Interesse haben, können sie sich aber gerne schon jetzt mit der für sie zuständigen Bereichslehrkraft in Verbindung setzen und ihr grundsätzliches Interesse an einer freiwilligen Teilnahme bekunden.
Diese und noch mehr Informationen zu DigLu finden Sie auch im Internet unter: www.diglu.de

Sehr geehrter Herr Jennessen, wir danken Ihnen herzlich für das Interview! Die Corona-Pandemie hat uns deutlich gezeigt, wie essentiell die lückenlose Digitalisierung in der schulischen Bildung ist. Das gilt insbesondere für uns Schausteller. Nur mit passgenauer Bildung sind wir zukünftig in der Lage, unser Ohr am Puls der Zeit zu haben – damit wir auch nach der Krise in der ohnehin hart umkämpften Freizeitbranche bestehen können.
Wir freuen uns daher sehr darüber, dass mit dem Projekt nun ein weiterer Baustein entwickelt wurde, um die neuen Medien, die technischen Möglichkeiten und damit das große Potenzial, das unsere moderne Welt mit sich bringt, zu nutzen, um unser Gewerbe kontinuierlich weiter zu professionalisieren. Der DSB wird dieses und weitere Projekte im Bereich der Bildung daher auch in Zukunft nach Kräften unterstützen.

 

Text und Foto: Bundesfachberater des DSB e.V. Andreas Horlbeck